Clara Schüppler

It´s time for Africa!
 

Letztes Feedback

Meta





 

Über

Guten Tag Zusammen!

Mein Name ist Clara und ich habe diesen Bog erstellt, um Erfahrungen und Eindrücke, die ich während meines einjährigen Bundesfreiwilligendienstes in Uganda machen werde, mit Euch teilen zu können! Ende August diesen Jahres wird die Zeit an der Ewaldi Community School in Nakaseke für mich losgehen...

Ich freue mich über Interesse und Rückmeldungen von Euch und bin selbst gespannt, was sich in meinem Blog ansammeln wird

 Eure Clara 

Alter: 20
 


Werbung




Blog

In der Luft

Abschiede sind nie leicht. Das habe ich als Kind erfahren und das sollte sich auch im weiteren Lauf des Lebens bestätigen. So auch heute. Ich gehe über das Schulgelände und sehe an allen Ecken Dinge, die mich an ein intensives, ereignisreiches Jahr im Projekt zurückerinnern.

Kaum betrete ich den Schlafsaal, an dem Greta und wochenlang Wände gestrichen haben, um diesen etwas wohnlicher zu machen, die Leuchtsterne, die wir an die Decke geklebt haben, die Handabdrücke an den Wänden, Fotocollagen, egal wohin man schaut.

In den Klassenräumen sehe ich die bunten Plakate an den Wänden – Resultate aus kreativen Schulstunden, in denen sich viele Kids als wahre Künstler entpuppten. Ich verlasse das Schulgebäude und komme an der Küche mit dem großen Schulofen vorbei, in dem wir mehrere Tausend Brötchen und einige Bleche Kuchen für die gesamte Schule gebacken haben. Auf der Küchenablage liegen zwei Kohlköpfe, die Greta und ich vor einiger Zeit selbst im Schulgarten angepflanzt hatten. Die Waschmaschine vor dem Dormitory - eines der letzten Projekte. Und glücklicherweise ein gelungenes!

Die Kids tragen Armbänder, die wir zusammen gestaltet haben, sagen Sätze, die wir ihnen morgens im Unterricht quasi vortanzen und zeigen auf Fotokalender, die wir letzte Woche aufgehängt haben.

Wir waren da, haben Spuren hinterlassen. Doch ist dies nicht entscheidend.

Viel wichtiger sind die Stunden, die wir hüpfend, singend, rennend, quatschend, die wir mit so vielen Kids im Schlafsaal verbracht haben, die Ins-Bett-bring-Aktionen, bei denen die Kids eher wach anstatt müde wurden und die Leuchtsterne ein Highlight nebenbei waren, das feuchtfröhliche Baden am Nachmittag.

Die Backnachmittage, bei denen wir mit älteren Schülern im selben Hefeteig geknetet haben, um anschließend Brötchen formen zu können und das Mehl auf der Haut alle dieselbe Hautfarbe haben ließ - einheitlich weiß! Wie vor einem Weihnachtsbaum hatten wir mit Mama Hilder vor der Waschmaschine gestanden und andächtig der Trommel bei jeder Drehung zugeschaut. Der Kohl ist nur das Resultat einer witzigen Gartenaktion, bei der Johnnys Humor für gute Stimmung gesorgt hat, wie immer eigentlich.

Und heute sollten wir einfach bis auf unbestimmte Zeit „Tschüss“ sagen. Von jeder Klasse, jedem Schüler einzeln. Und plötzlich wird einem bewusst, was man alles zurücklassen muss:

ein großes Voluntärhaus, in dem man sich ein Jahr lang ausbreiten durfte, die freundlichen Lehrerkollegen, die einen von Beginn an zu integrieren versuchten, Koch Allitah, Gärtner und Cleaner Uncle (einfach immer fleißig), zwei super liebe Securitymänner (klein und freundlich), die Reisbällchenfrau, Ziege Fritzi und Kalb Anton, Matron Sylilvia, Stephen und Annet (unsere Projektleiter und Gasteltern am Wochenende), gute Freundin Leticia, Robert und Sarah mit Baby, unendlich viele Kids, mit denen wir nahezu rund um die Uhr zu tun hatten, deren Familien wir teilweise kennengelernt haben, die uns all ihre Mini-Wunden vorgeführt haben, um ein buntes Pflaster zu bekommen, deren Charakter wir nach einem Jahr wohl ziemlich gut kennen – und zu schätzen gelernt haben. Und natürlich Mama Hilder- eine absolute Wunderfrau und das Herz der Schule. Wenn man sie fragt, wie viele Kinder sie habe, antwortet sie „76“. Gibt man ihr Kuchen, Pizza oder Schokolade, läuft sie in den Schlafsaal und teilt mit den Kindern. Hat niemals frei, kann sich eigentlich vor Arbeit nicht retten und besteht trotzdem darauf, vor unserem Haus noch Unkraut zu jäten. Und als sie uns zum Abschied die selbstgemachten Körbe aus Bananenblättern in die Hand drückte (für deren Herstellung sie drei Tage braucht) und über die Schulter hinweg sagte: „They are not big. They are small“, wurde mir bewusst: Bescheidenheit kann unendlich sein. Ich habe heute das Schulgelände verlassen, körperlich. Nicht ohne mich noch ein- zwei- dreimal umzuschauen.

Morgen werde ich im Flieger sitzen. Wie vor einem Jahr liegt ganz viel Erlebtes hinter mir, von dem ich berichten kann. Ungewiss, was vor mir liegt. Und ich bin genau dazwischen, in der Luft. Habe keinen Boden unter den Füßen.

Wer mit beiden Füßen fest auf dem Boden steht, kommt nicht weit.

1 Kommentar 14.8.16 10:15, kommentieren

Der ganz normale Alltag(-swahnsinn)

Pünktlich um sieben Uhr morgens schlüpfe ich in meine inzwischen gut genutzt aussehenden Flipflops und mache mich auf den Weg zu den jungen Nursery Kids, die um diese Uhrzeit schon seit etwa einer Stunde Blätter vom Schulgelände aufgepickt haben. Unterwegs wird mir durchschnittlich zehn Mal „Good morning Teacher Clala“ zugerufen, sei es von fegenden Kindern, anderen Lehrern oder unserem freundlichen Schulpersonal, bestehend aus zwei Securitymännern, unserem super Cleaner und Gärtner „Uncle Jonny“ (der Name ist Programm!), einem vor Kraft strotzenden Koch „Allitah“ und zwei Matrons, Mamas für Alle und rund um die Uhr am arbeiten.

Bei den umherstreunernden Kids angekommen, halte ich sie unvorbildlicherweise von ihrer Arbeit, dem Blätter aufsammeln ab, indem ich ihre kalten Hände halte, dummes Zeug quatsche und Tiere nachahme, auf einem Bein hüpfe oder Grimassen schneide. Zwischendurch ermahne ich dann kurz „Londa ebikola“ (Sammelt die Blätter!), aber eigentlich auch nur, wenn ein anderer Lehrer neben mir steht. Während montags und freitags eine Schulversammlung für alle stattfindet, erwartet uns an allen anderen Tagen das heiß begehrte PE (Morgensport und Singsang für die Jüngsten), bei dem jeder Lehrer das letzte bisschen Autorität, wenn es denn jemals vorhanden war, vollständig verliert: es werden Mangotrees geshaket, Elefanten passen nicht in den Bus, weil sie zu fett sind (wörtlich übersetzt), der Zoo wird dreimal besucht und die Tiere dementsprechend nachgeahmt, das Alphabet wird getanzt, Monate, Wochentage, Zahlen bis 20 werden bis zum Erbrechen aufgebrüllt und zum „Welcome-Teacher-Song“ muss jeder Lehrer einzeln nach vorne kommen und vor allen ordentlich die Hüfte schwingen – die Kids lieben es.

So kommt es, dass ich um acht Uhr morgens schon immer mindestens zehn Kids an der Hand hatte - eigentlich bräuchte ich mindestens vier Hände für meine Arbeit hier) und mir etliche Kinder auf den Füßen standen und diese dementsprechend aussehen (Stichwort: Not smart!). Weiter geht es mit dem Unterrichten, das bei den Älteren in der Primary in Mathe und Drawing doch meist einigermaßen geordnet vonstatten geht, obwohl ich teilweise mehr als 45 Kinder in einer Klasse vor mir sitzen habe. Schwierig wird es immer erst, wenn Bleistifte oder Hefte fehlen und da kann die Nursery ein Lied von singen (was die Kinder ganz nebenbei sowieso schon den ganzen Tag tun). Um es einmal bildlich darzustellen: ich betrete mit einem Stoffbeutel voller Farben und zurechtgeschnittenen Papieren die Middleclass (das Arbeiten in den Heften habe ich aufgegeben, da Hefte entweder zerrissen, gegessen oder nicht wieder abgegeben werden.) D.h. ich versuche den Raum zu betreten. Vorher stolpere ich noch über Kinder die mir in die Arme rennen, auf dem Boden liegen, sich an meine Arme hängen. Habe ich es bis in den Klassenraum geschafft, diskutieren immer zwei Stimmen in meinem Kopf. Die eine sagt beruhigend „einfach auf Durchzug stellen, du schaffst das“, die andere schreit mich an „Verlasse sofort wieder diesen Raum!“ Doch schließlich haben die Stimmen bei dem Lärmpegel in dem dunklen Raum keine Chance gehört zu werden.

Juliet haut Jackline, Jackline fängt an zu heulen. Eric nimmt Shivan den Bleistift weg, Shivan schlägt, Happy petzt, dass Shivan schlägt. Währenddessen hängen sich drei Kinder gleichzeitig an meinen Rock (hinten, vorne, seitlich). Shakira fällt vom Stuhl, Stephen malt an die Tafel, obwohl er es nicht soll. Mein Stiftebeutel ist schneller zerrupft als ich gucken kann und dem unschuldig weißen Papier ergeht es nicht besser. Teacher Juliet hat bereits dankbar den Klassenraum verlassen, kaum hatte ich ihn betreten. Toll! Kreide? Erwarte ich schon lange nicht mehr. Bleistifte sind entweder abgebrochen oder nicht vorhanden, mit ganz viel Glück liegen welche auf dem Boden. Ich schreie und werde nicht gehört, die Kinder schreien und ich schalte auf Durchzug. Ist die einige Möglichkeit nicht durchzudrehen, reine Übungssache. Inzwischen heult die halbe Klasse. In diesen berühmt berüchtigten Stunden leiste ich reine Schadensbegrenzung und hoffe einfach immer nur, dass es zu keinen schlimmeren Verletzungen kommt...

Irgendwie überlebe ich die Middleclass Stunden, man darf nur nicht fragen, wie. Es gibt jedoch auch echt viele schöne Erlebnisse im Schulalltag: seien es die kleinen Botschaften, die mir die Kids mit Mühe in ihre Hefte malen, die strahlenden Gesichter, wenn ich den Klassenraum betrete oder die morgendliche Nachfrage, wann ich denn endlich in die Klasse komme… Und wenn man einen Klassenraum betritt und einem zunächst die eigen bunt gestalteten Plakate ins Auge fallen, ist das schon ein sehr gutes Gefühl.

Die Nachmittage nach dem Lunch spielen sich alle auf demselben Schulgelände ab, es sind immer dieselben Kids um uns herum und doch gleicht kein Nachmittag dem anderen.

Entweder eröffnen wir auf unserer Terrasse ein kleines Spielparadies mit Bausteinen, Plastiktieren und Mandalas, oder aber wir helfen unten vorm Dormetory beim Baden und Waschen der Kids. Das sieht dann meistens so aus: die Muzunngus (also wir) kommen, sagen den Kleinen drei mal, dass nun endgültig „time for bathing“ ist – nichts passiert. Also beginnen wir alleine mit dem Eimer schleppen, kümmern uns um Seife, Handtücher (die Schwammsuche habe ich aufgegeben, man kann Kinder schließlich auch mit den Händen einreiben), bis Mama Hilder dann einmal ein Machtwort spricht. Wir wickeln uns die Handtücher als Rock um die Hüfte, als Tuch um den Kopf, verkaufen die Vaseline für „Bitaano, Bitaano“ (500 ugandische Schilling) und starten eine Badeparty mit den Kids, bei der wir ungefähr genauso nass wie die vor uns herum hüpfenden Mädels werden. Das Eimer schleppen ist für mich inzwischen ebenso zur Routine geworden wie das wöchentliche Brötchen backen im großen Schulofen für die gesamte Schule. Immer öfter konnten wir mittwochs dank einiger Spenden noch Früchte für alle schnibbeln. Das Pizza und Kuchen backen stand noch als besonderes Highlight auf unserem Programm. Ebenso die Ausflüge mit Mama Hilder in den Schulgarten ergaben sich manchmal als spontane Aktionen, bei denen wir bei der Mais-, Yam-, Kohl-, Greensernte oder auch beim Diggen (Hacken) mithelfen konnten.

Immer öfter hat William uns mit in die Community genommen, damit wir einen direkten Einblick in die dörflich lebenden Familien bekommen konnten und die grundlegenden Backgrounds der Kids sehen und verstehen konnten. Leuchtsterne im Dorm aufhängen, Armbänder machen, Art und Craft für die Älteren (super coole Mehlsäcke haben wir dort mit Wolle bestickt), Klettern in Passionfruitbäumen, Handabdrücke im Dorm, Nähen im Nähraum, stundenlang Seifenblasen pusten, Seilchen springen – all dies sind Aktionen, die wir zwischendurch für und mit den Kindern gestaltet haben. Vor allem aber waren es die alltäglichen Begegnungen, das spontane Zusammensein und Miteinander-Quatschen in Küche, Klassenraum und Schlafsaal, das ich als sehr wertvoll und bereichernd empfunden habe. Und selbst am Abend haben die Kinder teilweise noch keine Ruhe vor uns, wenn wir mit ihnen mit den Händen essen wollen, beim Beten dabei sind und sie im stromlosen Schlafsaal noch ins Bett bringen…

Erfahrungen, die mir keiner nehmen kann.

7.8.16 11:58, kommentieren