Clara Schüppler

It´s time for Africa!
 

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Qwixxt ihr noch oder…?

Ein bisschen müde sahen unsere Iringa-Freiwilligen ja schon aus, als wir sie am 10. April nachmittags in Kampala abholten. Aber wen wundert das schon nach einer 35-stündigen (!!) Busfahrt und demetnsprechend wenig Schlaf?! (35 Stunden im Bus vegetieren- das sind Zeitdimensionen, die am Rande meiner Vorstellungskraft liegen. In Deutschland hat meine Mutter schon für eine dreistündige Autofahrt Picknick und mein Bruder seinen halben Zimmerbestand eingepackt.)

Den Busbahnhof, an dem die drei Iringis ankamen und den es nach Reaktion der Bodafahrer zunächst irgendwie eigentlich gar nicht so richtig zu geben schien, gab es dann zum Glück doch, sodass wir wenig später als Muzungu-Fünfer-Gruppe durch Kampalas chaotische Downtown wanderten um zur nächsten ATM-Bank zu gelangen. Was mir an dieser Stelle wieder bewusst wurde: mit Mitfreiwilligen zu reisen ist einfach etwas völlig anderes, als der eigenen Familie das Land zu zeigen, die bei uns allen vor kurzem noch zu Besuch war. Während Familienmitglieder mit „Oh!“ und „Ah“ an jeder Straßenecke neue Entdeckungen machen, jedes zweite Taxi mit ihrer Kamera ablichten und lokale Köstlichkeiten mit der deutschen Sprache verhunzen (Chapati= Chiabatta, Matooke= Matucke, siehe hierzu meinen letzten Blogartikel), nehmen wir die zwölf herabhängenden Hühner am Bodalenker und die vollgestopften, eigentlich(!) für 14 Personen zugelassenen Taxen kaum noch wahr, bzw. einfach hin.

Wir entschieden uns, noch an dem Sonntag direkt zur Schule ins Projekt zu fahren. Schließlich waren unsere Freiwilligenkollegen das lange Fahren jetzt sowieso gewöhnt und die drei Stunden Taxifahrt die uns bevorstanden, Stau inklusive, konnte sie nun wirklich nicht mehr schocken.

An der Schule war dann erst mal eine Hausbesichtigung angesagt, die bei uns aufgrund der Größe etwas mehr Zeit in Anspruch nahm…;-) Dem gigantischen Sofa in unserem bescheidenen Wohnzimmer wurde gebührend Aufmerksamkeit und Zuwendung in den zwei Tagen, die wir an der Schule waren, geschenkt. Vor allem Annika schien von der ersten Minute an festgewachsen zu sein und hätte eine Studie zu potenziellen Sitzpositionen auf der grauen Coach veröffentlichen können, während Lucas seine Sherlock-Serien-Sucht wieder in sich aufleben ließ und ihr reichlich Futter bot. Für Greta und mich war währenddessen Kinderbespaßung und Beschäftigungstherapie im Kindergarten angesagt. Ziemlich beeindruckt hat uns die Abendprobe der MDD-Gruppe, bei der mir mal wieder die Frage aufkam, wie ein menschlicher Körper Rhythmus, Bewegung, Tanz und das Trommeln in solch faszinierender Weise miteinander vereinen kann, wie es die Kids aus der MusiDramaDance-Gruppe tun. Also ich hatte eine Gänsehaut!

Schließlich kam es so weit, dass wir Muzungus uns zu der eingespielten Gruppe dazustellten, voller Motivation und Hoffnung, auch so professionell wie die Tänzer auszusehen, während die Hände von Teacher George William über die Trommel flogen, dass einem vom Zusehen schwindelig wurde…

Neben einer gelungenen Backaktion (Tschaka, der Hefeteig ist aufgegangen!!) und einem hitzigen Volleyballmatch, bei dem die Emotionen mit uns allen durchgingen (beim Einen mehr, beim Anderen weniger), guckten wir während der Zeit an der Schule den hochintellektuellen Film „Fack ju Göthe 2“ und „Vincent will mehr“ und hielten uns mit Chapatis, selbstgebackenem Brot, Gemüse, Obst und Süßigkeiten über Wasser, bzw. auf dem Sofa ;-)

Quasi durch den Monsun und auf matschigsten Wegen ging es mittwochs auf dem Boda Richtung Taxi, das uns nach Kampala bringen sollte (also ich stelle immer wieder fest: Regencapes sind Gold wert, auch wenn ich dafür von meinen Mitmenschen belächelt werde).

Der von mir als „nicht so weit“ prophezeite Weg vom Busstand zum Hostel entpuppte sich mit den schweren Reiserucksäcken als kleine Weltreise, sodass alle erst einmal nach Ankunft im Hostel eine Dusche brauchten (an dieser Stelle noch mal pole sana an die Iringis mit den 20-Kilo Rucksäcken - ich dachte, ihr bräuchtet nach der langen Fahrt ein bisschen Bewegung;D). Wirklich nicht weit war dann wenig später der Fußmarsch zum Craftmarkt, zu dem man nur die Straße überqueren muss. Auch beim heißgeliebten Cafe Javas, in dem Greta und ich bald ein Zweitbett hinstellen können, waren wir in null Komma nichts; und blieben dort auch erst einmal.

Ein Bett hätten wir in den folgenden Nächten auch nur allzu gut gebrauchen können- immerhin schlief ich insgesamt (!) in drei Nächten sieben Stunden… Angefangen hatte das Ganze am Mittwochabend im „Bubbles“, einem berühmt berüchtigten Club in Kampala. Während der Abend mit der Live-Band zunächst eher einschläfernd begann, endete das Ganze in einer langen Partynacht mit guter Musik, die - ich sag nur soviel - für uns alle Konsequenzen hatte. Für den Einen mehr, für die Anderen weniger…;-) Nur gut, dass wir am nächsten Tag in der Acacia-Luxus-Mall ruhig angehen konnten, bevor es abends um neun mit dem Bus nach Kigali ging. In unserem Hostel in Kampala müsste unsere Muzungu-Gruppe bleibenden Eindruck hinterlassen haben, nicht nur weil wir jegliches Schamgefühl hinter uns gelassen haben und zwischen Tischen und Stühlen bei einem Spiel Dackel, Toilettentieftaucher und Domina pantomimisch dargestellt hatten, sondern an unserem letzten Abend unter Zeitdruck den völlig überforderten Kellner so oft zwischen Küche und Tisch hin und her rennen lassen haben, dass er nach unserem Aufenthalt mindestens in die Klapse eingewiesen worden sein muss - pole sana!

Topfit kamen wir nach gefühlt fünf Minuten Schlaf gegen vier Uhr nachts an der Grenze zu Ruanda an; Arsch abfrieren, Zettel ausfüllen und wie Flüchtlinge zwischen LKWs durch gruseliges, nebeliges Grauzonengebiet wandern. Mein erster Gedanke als wir da durch die verlassene Finsternis wanderten : oh, man muss wohl erst drei Mal überfallen, zwei Mal entführt und beklaut worden sein, um in Ruanda einreisen zu dürfen. So eine Art Härtetest. Nachdem wir diese Herausforderung mutig gemeistert hatten, stand die nächste Nacht-Challenge an: PLASTIKTÜTENKONTROLLE! Und was für eine. Also Genauigkeit ist ja schön und gut, aber wenn man anfängt, Brotscheiben fast einzeln aus Plastikbeuteln in Papier einzuwickeln wird’s pingelig finde ich. Ein Wunder nur, dass ich mein gigantisches Regencape, das einem überdimensionalen Müllsack doch sehr ähnelt, mitnehmen durfte. Zum Glück, denn das brauchte ich in den nächsten Tagen noch so einige Male. Kaum hatte ich einen Fuß aus dem Bus gesetzt, erlebte ich einen Kulturschock nach dem anderen. Angefangen mit dem sogenannten „Taxipark“: wie konnte dieser Platz bloß so geordnet und organisiert sein, dass man sich beim Überqueren fast einsam fühlte und fragte, wo die Menschen geblieben sind?! Solch ein Ort war doch kein Taxipark!Das nächste Erlebnis erwartete mich am Bodastand: Da streckten mir die in einheitlicher Weste gekleideten Fahrer doch tatsächlich Helme entgegen, die ich auf der Fahrt zu tragen hatte. Warum das denn?? Und sie selbst hatten auch noch einen an und ließen tatsächlich nur einen Beifahrer auf ihren Motorroller aufsteigen. Ich fühlte mich, als wäre ich nach der 12 stündigen Busfahrt mal eben in Europa eingereist. Und noch was: die fehlenden Muzungu-Rufe. Wirklich niemand brüllte uns etwas hinterher. Es wirkte, als würden wir einfach dazugehören - unbeschreiblich entspannend.

Wir wurden herzlich von unserer Mitfreiwilligen und meiner Namensverwandten Klara empfangen, bekamen nachmittags unseren ersten Eindruck von einem geordneten und sauberen Kigali, indem man den Müll förmlich suchen muss, in der Innenstadt bestätigt und bewiesen an jenem Freitagabend, dass man auch nach zwei fast schlaflosen Nächten noch feiern gehen kann.

Am nächsten Morgen fuhren Klara und ich zu einem Treffen für Kinder mit Autismus, deren Eltern sich austauschen sollten, während die Kids in einem super kinderfreundlich eingerichteten Haus mit guten Materialien betreut spielten und aktiv waren. Die Idee, den Austausch zwischen Eltern in ähnlichen Situationen stehend, zu fördern und Kindern individuell gerecht zu werden, fand ich total super. Im Nachhinein bin ich sehr froh, mich nach zu wenigen Stunden Schlaf aus dem Bett aufgerappelt zu haben und das Zentrum mit besucht zu haben!

Abends war Pizzaessen mit Sebastian (unserem „Boss“ vom Bistum) angesagt (Danke liebes Bistum für die leckere Pommes-Pizza!). Somit haben Greta und ich Sebastian einfach schon zwei Mal innerhalb unseres Jahres in verschiedenen Ländern getroffen und langsam muss er auch das Gefühl haben, nicht mehr nach Afrika reisen zu können, ohne die Uganda-Freiwilligen zu treffen…:-) Tja, wir sind (fast) überall:D

In den kommenden Tagen durften wir das Projekt der Ruanda-Freiwilligen kennenlernen. Eine absolut wertvolle Arbeit, die dort von den Volontären geleistet wird! Die Nähe zu den Menschen mit Behinderung gehört ebenso zum Alltag wie das Bewältigen von heiklen Situationen und gaaanz viel Geduld. Im Rückblick an unsere Zeit in Ruanda gilt der Dank noch einmal der lieben Klara, denn ohne ihr wäre uns nicht nur das Kennenlernen der Projekte, sondern auch eine ziemlich coole Picki-Fahrt, ein leckeres Essen bei der langsamsten Fastfood-Kette der Welt, Bodafahrten bei Nacht mit Blick auf ein Meer aus Stadtlichtern (es gibt fast nichts Schöneres), das Glücklich-Shoppen-Gehen bei Stoffen auf einem großen Markt, (auf dem Klara, Greta und ich vor lauter Auswahl in den Gängen beinah in einen völligen Rausch verfielen - nur gut, dass das Geldbudget begrenzt war), eine Kochaktion im Freiwilligenhaus mit missglücktem Salat (ganz ehrlich, wer kommt denn auf die Idee, Salat in kochendem Wasser zu waschen!! - ups, das war ja ich;D ) und dem geilsten Popcorn, das ich je gegessen habe, einen Tag am See, an den wir uns illegalerweise heran gewagt haben, eine kleine Wanderung, die mit Regenjacken und -cape endete (UND supercoolen Fotos mit einem Gorilla - leider nur aus Holz, aber alles Andere hätte 350 Dollar gekostet und das war uns dann doch zu teuer), gaaanz vielen Qwixxrunden (wir sind inzwischen Spezialisten im Zettel-Wiederverwenden) und einem Besuch des Memorials, welches uns den Genozid von vor 25 Jahren vor Augen führte und gleichzeitig deutlich werden ließ, warum das Land Ruanda und vor allem die Ruander selbst heute so sind, wie sie sind.

Die Offenheit, Lebensfreude und teilweise Aufdringlichkeit, die ich von Ugandern so oft entgegengebracht bekomme, konnte ich in den sieben Tagen in Ruanda kaum wahrnehmen, was sicherlich teilweise auf die Vergangenheit der Menschen zurückzuführen ist. Daher fand ich es umso beeindruckender, dass sich ein Land in so kurzer Zeit wieder so gut aufbauen und - so schien es zumindest äußerlich - regenerieren konnte. Wie es hinter der Fassade aussieht, wie die Menschen denken und was in ihnen vorgeht ist natürlich noch einmal eine ganz andere Frage, die meine Mitfreiwilligen Klara und Laura sehr wahrscheinlich besser beantworten können.

Für mich war jedenfalls nach der tollen Woche in Ruanda eins klar: Ich komme wieder!

29.4.16 16:48

Letzte Einträge: Unsre Reise die wird lustig, unsre Reise die wird schön..., Pizza, Soda, Film und mehr…, Du bist dabei, ich bin dabei, wir sind dabei, Kigali- die Stadt der unbegrenzten Möglichkeiten, Der ganz normale Alltag(-swahnsinn), In der Luft

bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Mimo (29.4.16 19:27)
Wow- das hört sich ja nach einer tollen Zeit und einem beeindruckenden Land an.
Super geschrieben! :-)

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